PRAXIS FÜR PAARTHERAPIE
& SEXUALTHERAPIE
SANDRA SCHUBERT
Heilpraktikerin für Psychotherapie

Bindungsstile: die vier Muster und was sie in Beziehungen tun

Zwei Hände, die sich vorsichtig berühren – Bindungsstile prägen, wie Nähe in einer Partnerschaft entsteht

Die vier Bindungsstile

Die Bindungsforschung unterscheidet vier Muster, nach denen Menschen Nähe gestalten: sicher, ängstlich, vermeidend und desorganisiert. Sie entstehen in den ersten Lebensjahren aus der Erfahrung, wie verlässlich Bedürfnisse beantwortet wurden, und prägen, wie jemand in späteren Partnerschaften mit Nähe, Streit und Trennung umgeht. Rund die Hälfte der Menschen gilt als sicher gebunden. Ein Bindungsstil ist kein Persönlichkeitsmerkmal und kein Urteil-  er ist veränderbar.

„Warum mache ich das immer wieder?” Diese Frage stellen sich Menschen, die feststellen, dass sich in jeder Beziehung dasselbe wiederholt: dieselbe Art von Streit, derselbe Zeitpunkt, an dem es kippt, dasselbe Gefühl. Die Bindungsforschung liefert dafür eine der brauchbarsten Erklärungen, die die Psychologie zu bieten hat.

Woher das Konzept kommt

Der britische Psychiater John Bowlby hat in den 1950er Jahren beschrieben, dass Kinder ein angeborenes Bedürfnis nach einer verlässlichen Bezugsperson haben. Seine Mitarbeiterin Mary Ainsworth hat daraus in den Sechzigern ein Beobachtungsverfahren entwickelt, bei dem Kleinkinder kurz von der Mutter getrennt und dann wieder mit ihr zusammengebracht wurden. Entscheidend war nicht die Trennung, sondern die Wiederbegegnung – und dabei zeigten sich systematische Unterschiede.

Diese Unterschiede lassen sich bis ins Erwachsenenalter verfolgen. Nicht als Schicksal, sondern als Tendenz.

Die vier Bindungsstile

Sicher gebunden

Ungefähr die Hälfte der Menschen sind sicher gebunden. Nähe wird als angenehm empfunden, Alleinsein geht jedoch auch gut. Konflikte werden als lösbar erlebt, nicht als Bedrohung der Beziehung. Wer sicher gebunden ist, kann um Hilfe bitten, ohne sich klein zu fühlen, und Grenzen setzen, ohne sich schuldig zu fühlen.

Das bedeutet nicht, keine Probleme zu haben. Es bedeutet, dass Probleme nicht sofort die ganze Beziehung infrage stellen.

Ängstlich gebunden

Für diese Personengruppe ist Nähe nie ganz sicher. Kleine Signale werden überinterpretiert, eine späte Antwort wird zur Frage nach der ganzen Beziehung. Typisch ist das Suchen nach Rückversicherung- und die Erfahrung, dass sie nie lange anhält..

In meiner Praxis nehme ich solche Menschen oft als sehr unruhig wahr, immer in Sorge, dass sie nicht geliebt sind. Die zugehörigen Partner sind oft ratlos, weil sie es ihnen nie recht machen können. 

Entstanden ist das Muster meist dort, wo Zuwendung von Erwachsenen früher unberechenbar war: mal warm, mal abwesend, ohne erkennbare Regel. Das Kind lernt: Ich muss aufmerksam bleiben, sonst verliere ich den Kontakt.

Vermeidend gebunden

Nähe wird gewünscht und gleichzeitig als bedrohlich erlebt. Wer vermeidend gebunden ist, zieht sich zurück, sobald es verbindlich wird –  nicht aus Desinteresse, sondern weil Selbstständigkeit früh die sicherste Strategie war.

Entstanden ist das Muster dort, wo Bedürftigkeit nichts gebracht hat oder als Belastung behandelt wurde.

Hier ein Tipp für dich: Wichtig wäre hier, sich genau zu beobachten, was konkret in den Momenten passiert, wo du dich zurückziehen möchtest. Wo genau findet eine Reaktion statt? Wo fühlst du das in deinem Körper, was sind deine Befürchtungen in dieser Situation und was brauchst du stattdessen? Beobachtungshausaufgaben sind immer sinnvoll um die Therapie zu vertiefen und eine nachhaltige Lösung zu entwickeln. Falls du Hilfe dabei brauchst, komm in meine Praxis, wir können gerne daran arbeiten. 

Desorganisiert gebunden

Das ist der seltenste und komplexeste Stil. Nähe wird gleichzeitig gesucht und gefürchtet, oft im Wechsel innerhalb kurzer Zeit. Er entsteht häufig dort, wo die Bezugsperson zugleich Quelle von Trost und von Angst war. Häufig findet man diesen Bindungsstil deshalb bei Menschen, bei denen ein Elternteil z.B. Alkoholkrank war oder Gewalt stattgefunden hat. 

In der Praxis begegnen mir diese Menschen häufig mit sich widersprechenden Aussagen. In einem Satz kann formuliert werden, dass sie sich Nähe wünschen und gleichzeitig doch wieder nicht. 

Was das in der Partnerschaft bedeutet

Bindungsstile sind für sich genommen wenig aussagekräftig. Interessant wird erst die Kombination.

Die häufigste und konfliktreichste ist ängstlich trifft vermeidend. Beide regulieren ihre Anspannung genau entgegengesetzt: Der eine sucht Nähe, um sich zu beruhigen, der andere braucht Abstand. Jeder tut, was ihm Sicherheit gibt, und löst damit beim anderen den Alarm aus.

Sicher trifft sicher ist die aussichtsreichste Kombination. Beide können Nähe- Distanz Konflikte sehr gut meistern.

Sicher trifft unsicher ist ebenfalls eine gute Konstellation. Der sicher gebundene Partner wirkt stabilisierend, ohne es zu wollen – einfach dadurch, dass er Konflikte nicht als Beziehungsende behandelt.

Vermeidend trifft vermeidend wirkt lange harmonisch und wird oft erst dann zum Thema, wenn beide merken, dass sie nebeneinander her leben.

Lässt sich der Bindungsstil ändern?

Ja. Die Forschung spricht von erworbener Sicherheit: Durch wiederholte Beziehungserfahrungen, in denen Nähe verlässlich beantwortet wird, kann sich das Muster verschieben. Das braucht Zeit – Jahre, nicht Wochen – und es geschieht über Erfahrung, nicht über Einsicht. Ebenso können durch das Auflösen alter Verletzungen und Traumata, notfalls über eine Traumatherapie, destruktive Verhaltensweisen in Beziehungen verändert werden.

Das ist die wichtigste Botschaft an dieser Stelle: Ein Bindungsstil erklärt etwas. Er entschuldigt nichts, und er legt auch nichts fest.

Man sollte jedoch vorsichtig sein, seinen Partner oder seine Partnerin vorschnell zu etikettieren, nur weil einem etwas nicht gefällt, oder weil man übersieht, dass sich einfach eine Situation verfahren und zu einem Teufelskreis aufgeschaukelt hat. Wer seinen Bindungsstil feststellen möchte, dem würde ich raten, das in einem fachlichen Coaching oder mit einem Therapeuten zu machen. Gerne unterstütze ich euch auch in meiner Praxis für Paartherapie und Sexualtherapie in Stein in der Nähe von Nürnberg, Fürth, Schwabach und Zirndorf.

Was ein Bindungsstil-Test taugt

Online-Tests sind als Einstieg brauchbar und als Diagnose wertlos. Sie erfassen eine Momentaufnahme und sind anfällig für das, was man gerade über sich denkt. Nützlich werden sie dort, wo sie ein Gespräch eröffnen: Zwei Menschen machen den Test getrennt und sprechen anschließend darüber, was sie wiedererkennen.

Problematisch wird es, wenn das Ergebnis zum Etikett wird. „Du bist halt vermeidend”, beendet Gespräche, statt sie zu öffnen.

Hilfreicher als Diagnosen sind immer Übungen, um sich als Paar selbst zu helfen. Als Paartherapeutin mit eigener Praxis im Raum Nürnberg, Fürth und Schwabach habe ich einen Onlinekurs entwickelt, mit dem ihr Zuhause viele Themen bearbeiten und eigene Lösungsschritte entwickeln könnt. Vor allem der Teufelskreis aus Angriff und Rückzug und eine konstruktive Kommunikation werden hier erlernt. Schaut gerne rein in den HerzschrittMACHER Onlinekurs für Paare. 

 

FAQ

Welche Bindungsstile gibt es? Vier: sicher, ängstlich, vermeidend und desorganisiert. Sie entstehen in den ersten Lebensjahren aus der Erfahrung, wie verlässlich Bedürfnisse beantwortet wurden, und prägen später den Umgang mit Nähe und Konflikten in Partnerschaften.

Wie finde ich meinen Bindungsstil heraus? Online-Tests geben einen ersten Hinweis, sind aber keine Diagnose. Aussagekräftiger ist die Beobachtung des eigenen Verhaltens in Konflikten: Suchst du sofort Kontakt, ziehst du dich zurück oder wechselt beides?

Kann sich ein Bindungsstil ändern? Ja. Die Forschung spricht von erworbener Sicherheit. Durch wiederholte Erfahrungen, in denen Nähe verlässlich beantwortet wird, kann sich das Muster verschieben — über Jahre und über Erfahrung, nicht über Einsicht allein.

Welche Bindungsstile passen schlecht zusammen? Die konfliktreichste Kombination ist ängstlich und vermeidend, weil beide ihre Anspannung entgegengesetzt regulieren. Aussichtsreich ist jede Kombination mit einem sicher gebundenen Partner.

Was ist ein desorganisierter Bindungsstil? Das seltenste Muster, bei dem Nähe gleichzeitig gesucht und gefürchtet wird. Es entsteht häufig dort, wo die Bezugsperson zugleich Quelle von Trost und von Angst war.

 

Wenn ihr euer Muster wiedererkannt und es seit Jahren dasselbe ist: Im Erstgespräch schauen wir, wo der Kreislauf bei euch beginnt. Meldet euch in meiner Praxis für Paartherapie und Sexualtherapie in Stein bei Nürnberg, Fürth, Schwabach und Zirndorf.

Oder bucht euch für kleines Geld meinen Onlinekurs HerzschrittMACHER. Der Onlinekurs für Paartherapie und alle, die wieder eine glückliche Beziehung haben möchten.

WEITERLESEN: Vermeidender Bindungsstil · Ängstlicher Bindungsstil · Desorganisierter Bindungsstil · Was kostet eine Paartherapie?

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